Obedience
Hier soll es jetzt keine Beschreibung des Sportes oder der Klassen geben, das kann man mittlerweile überall nachlesen. Und ich muss zugeben, dass ich immer gleich weiterklicke, wenn ich irgendwo auf solch eine Seite komme.
Ich möchte hier einfach nur ein paar Gedanken zu diesem fantastischen Sport festhalten und erzählen, was mir wichtig ist.
Obedience auf hohem Niveau und detailliert trainierte Hunde, die ihre gesamte Power in ihre Arbeit legen, finde ich absolut fesselnd. Ich könnte stundenlang zusehen.
Hunde, die die Übungen wirklich bis in jede Kleinigkeit verstanden haben und stark in ihrer Präsentation sind, sind auch mein Ziel.
“Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich.
Was du mich tun lässt, das verstehe ich.” (Konfuzius)
Ich trainiere mit meinen Hunden sehr, sehr lange an der Basis. Dazu gehört zunächst, in ihnen das Verlangen und die Leidenschaft zu wecken, mit mir zusammen zu arbeiten. Ganz egal, was gerade um uns herum geschieht.
Wichtig ist mir zu Beginn nur, ihre Konzentrationsfähigkeit und Koordination zu schulen und auszubauen, sie sich entwickeln und an den Aufgaben wachsen zu lassen. Nur selbstbewusste, starke Hunde können überzeugen!
Ich möchte keine Hunde, die nachfragen, ob es richtig ist, was und wie sie es machen. Ich möchte Hunde, die wissen dass sie alles können, was ich von ihnen verlange und die daher auch gut mit Frust umgehen können, ohne an Motivation zu verlieren.
Das ist die Basis, auf der alles weitere Training aufbaut und zu der ich auch immer wieder zurückkehre. Ich versuche, nichts als selbstverständlich zu sehen und belohne auch gelegentlich die ganz einfachen Sachen, um sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Ich liebe tolle Fußarbeit und für mich gibt es nichts Schöneres als präzise Teamarbeit, an der Hund und Hundeführer Spaß haben.
Wenn ich zurückblicke, hatten meine Hunde (Mischlinge, Schäferhund und Border Collies) schon immer ein Faible für Fußarbeit. Wenn andere Hunde lustlos über den Platz schlichen, habe ich immer gedacht, was für ein Glück ich mit meinen Hunden doch habe. Heute weiß ich, dass es einfach nur an der Einstellung und an der Freude am Training und an schöner Fußarbeit liegt.
Fußarbeit sollte niemals langweilig sein oder als lästige Pflicht gesehen werden.
Schade finde ich es, dass im FCI-Obedience doch letztlich so wenig wert auf die Fußarbeit gelegt wird. In der Klasse 3 gibt es von 320 Punkten nur 30 Punkte (wenn man die Fußarbeit bei den Positionen aus der Bewegung außer Acht lässt) mit Fußarbeit zu verdienen. Hier liegt der größte, und für mich wichtigste, Unterschied zum englischen Obedience. Denn hier besteht etwa die Hälfte der Prüfung nur aus Heelwork. Die Hunde werden anders vorgeführt, bewegen sich besser und es wirkt viel eleganter.
Leider gibt es noch einige, unberechtigte, Vorurteile gegen das englische Obedience und den Führstil. Es mag sein, dass es für die Hunde einfacher ist, eine perfekte Fußposition zu zeigen, wenn die Hand am Körper getragen wird. Dafür wird aber auch eine viel größere Präzision gefordert und mehr Punkte gezogen, wenn der Hund die Position verlässt.
Die meisten Hunde im englischen Obedience tragen den Kopf viel höher, haben eine bessere Aufrichtung und Balance und der Druck für die Vorwärtsbewegung kommt aus der Hinterhand. Das bedeutet für den Hund keinesfalls mehr Belastung als ‘normale’ Fußarbeit, vorausgesetzt man trainiert und gymnastiziert den Hund sorgfältig.
Das sollte aber ohnehin auch im Hundetraining wie in jeder Sportart selbstverständlich sein.
Ich will nicht behaupten, dass englisches Obedience anspruchsvoller oder schwieriger ist als FCI-Obedience. Die Schwerpunkte hinsichtlich Fußarbeit und technischen Übungen sind ganz einfach anders verteilt.
Ich mag beide ‘Richtungen’ gerne, beim FCI-Obedience kommt es mir nur leider manchmal wie ein Abspulen der Übungen vor und die Spannung geht verloren.
Es liegt am Hundeführer, es für den Hund spannend zu machen. Hundetraining hat für mich immer etwas mit Kreativität und Flexibilität zu tun. Nur wer es wagt, auch einen halben Schritt zurückzugehen, kann am Ende nach vorne kommen.
Für mich ist es nicht wichtig, dass meine Hunde im Training jedes Mal den prüfungskonformen Ablauf zeigen. Den übe ich nur gelegentlich, um zu überprüfen ob es klappt wie ich trainiere. Viel lieber fordere ich sie heraus alles zu geben und übe an Kleinigkeiten um die komplette Übung zu stärken.
Ich habe an mich nicht den Anspruch, unbedingt auf Meisterschaften starten zu müssen um meine Hunde zu zeigen. Ich bin ehrgeizig, keine Frage und ich laufe auch sehr gerne Prüfungen. Aber viel lieber genieße ich die Trainings mit meinen Hunden, die für mich immer die Highlights der Woche sind.





